Das wird man ja noch bloggen dürfen (RANT): „Wir sind digital!“ Kreditinstitute im Jahr 2018

Facebook, Twitter, Instagram, Amazon. Dass das Internet viel mehr ist, ist jetzt auch bei der jüngeren Generation angekommen. Google beispielsweise noch. Scherz bei Seite. Nahezu (!) jeder Mensch nutzt das Netz. Sei es für die oben genannten Plattformen, oder aber auch zum versenden von Kurzmitteilungen, Mails, Sprachassistenten (bsp. Alexa, Siri, Google Assistent etc.), das Streamen von seinen liebsten Unterhaltungsserien, Filme über Netflix, Amazon und co, oder sogar mit einem Smarthome Gerät. Das Internet ist in unserem Alltag irgendwie fest verankert. Und das ist nicht nur bei uns zuhause so, sondern auch an unserem Arbeitsplatz.

Denn natürlich haben Unternehmen schon längst erkannt, dass es einfach clever ist sich seine Kundschaft im Netz zu suchen, als tausende von Euros (alle 30 Sekunden) in einen Werbeclip im TV zu stecken. Nicht nur Menschen suchen im Netz Aufmerksamkeit, sondern eben auch Unternehmen. Und das finde ich auch vollkommen legitim. Aber nicht nur das Werben ist finanziell einfacher (eine Strategie muss immer noch erarbeitet werden, daran hat sich nichts geändert), sondern auch die Kundenbetreuung. Ein Tag hat bekanntlich 24 Stunden. Auch an diesem Fakt hat die Digitalisierung nichts geändert, das ist Wahr. Sie ermöglicht uns aber, effizienter zu arbeiten. Bedeutet, wir bekommen an einem Tag viel mehr erledigt als ohne sie.

Ich sitze beispielsweise am Bahnhof und schreibe diesen Beitrag. Auf dem Smartphone? Wäre möglich, aber nein. Auf meinem kleinen Notebook, das so dünn und Energieeffizient ist, dass ich trotz nur 23% Akkuladung meine knapp halbstündige Wartezeit auf meine Bahn problemlos mit dem Schreiben dieses Beitrags überbrücken kann. Natürlich könnte ich mir munter einen Podcast oder diverse Musikstücke an meinem Smartphone über Kopfhörer in den Kopf jagen. Aber dann hätte ich noch mehr das Gefühl Zeit verloren oder vertrödelt zu haben. In meinem Büro wartet nämlich eine Menge Arbeit die erledigt werden möchte – und ich werde heute am frühen Nachmittag für knapp 1 Woche beruflich verreisen. Warum in alles in der Welt ich nun am Bahnsteig sitze? Das hat, man soll es kaum glauben, etwas mit dem Umgang mit der Digitalisierung in Unternehmen zu tun.

Als selbstständiger Mensch (Freiberufler, Freelancer, Entrepreneur) hat man nicht immer leicht. Nein, keine Bange – keine Jammerei. Ihr müsst mich schon fertig schreiben lassen bevor ihr diese Einschätzung vornehmt. Man hat es bei Dingen etwas schwerer, mit denen man als Privatperson einen überschaubareren Aufwand hat. Wie beispielsweise bei der Beantragung eines Kredits für den Hauskauf. Gemeinsam mit meiner besseren Hälfte möchte man also aus der Miete raus, hinein ins Eigentum. Klingt einfach. Ist es ja auch. Im Normalfall. Sie, fest angestellt und ich selbstständig. Ihre Unterlagen sind schnell zusammen und können in einen Umschlag bei dem Institut, das uns tolle Finanzierungsangebote erstellt hat, eingereicht werden. Meine Unterlagen füllen mindestens einen Ordner. Wir leben auf dem Land. Das Institut ist in der 30km entfernten Stadt ansässig. Durchaus ist das gut. Denn muss man in ein paar Jahren mal umschulden, da man eventuell einen günstigeren Zins bekommen könnte, ist man mal eben hingefahren. Praktisch. Aber wieder zurück zur eigentlichen Story. Ihre Unterlagen sind mit einem Teil meiner Unterlagen also dort abgegeben worden. Nun stellte sich heraus, dass das Institut gerne noch weitere Daten benötigt, wie beispielsweise einen „Kassensturz“ von 2017. Gut, kein Problem. Ich telefoniere mit meiner Steuerberaterin und sie leitet es an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter. Hier gab es ein paar Verständnisprobleme was „digitale Belege“ sind. Man könnte sich darüber aufregen – aber das ist alles halb so wild. Denn das war binnen 5 Minuten (was schon viel zu lange ist) erledigt. 3 Tage später bekomme ich also die angeforderten Unterlagen per Mail, die übrigens auch gleich an die Sachbearbeiterin im Institut zugestellt wurde.

„Fabelhaft!“ dachte ich mir „Dann sind ja alle geforderten Unterlagen da und es kann nichts mehr schief gehen!“. Weit gefehlt. Denn plötzlich (nach 3 Tagen) fiel „dem Institut“ noch ein, dass ja ein Steuerbescheid von 2016 und 2015 auch ganz gut wäre. Ach und bitte natürlich noch Kontoauszüge aus 2016 und 2017. Aktuelle aus 2018 wären ja auch ganz toll. Langsam bekam ich wieder Puls. Aber hey, dank der Digitalisierung ist das ja heute ein Kinderspiel. „Ich sende Ihnen alles digital zu. Dann haben Sie alles was Sie benötigen.“ – „Ja super! Und wie mach ich das dann?“. Solche Reaktionen bin ich ja schon gewohnt. „Ganz einfach. Sie bekommen von mir einen Link…“ – „Ja und was mach ich dann mit diesem Link?“ Wurde ich unterbrochen. Ich blieb cool und sprach ruhig weiter: „Auf den klicken Sie dann drauf. Sie gelangen dann in eine nur für Sie verschlüsselte Cloud. Hier finden Sie alle Unterlagen und können diese nicht nur einsehen, sondern auch gleich herunterladen oder ausdrucken.“. Begeisterung auf Seite der Sachbearbeiterin. 5 Minuten dauerte es als ich folgende Information bekam: „Ich hab da jetzt drauf gedrückt, aber ich kann den Link nicht öffnen. Irgendwas mit -Blacklist-. Lassen Sie mir die Unterlagen auf anderem Wege zukommen.“. Meine PDF-Mails kamen an. Aber ohne die PDF. Die wurden vom System herausgefiltert. Ja ja, Virengefahr und so. Ihr könnt es nicht sehen, aber auch jetzt muss ich mit dem Augen rollen.

Da die Zeit immer knapper wird und mir die Maklerin im Nacken sitzt, darf nicht noch mehr Zeit verplempert werden. Also blieb mir nichts anderes mehr übrig als alle Dokumente auszudrucken und in einen großen Umschlag zu stecken, den ich nach nur einem Kaffee selbst im Institut einreiche. Es ist Freitag. Ab heute bis Sonntag herrscht in der City Ausnahmezustand auf Grund eines größeren Events. Bedeutet für den Autofahrer: MEIDE DIE INNENSTADT! Deswegen setzte ich mich heute morgen, NACH NUR EINEM KAFFEE (ja, ich sage es nochmal, da das ein ganz wunder Punkt ist), in die Bahn und fuhr damit in die City. Dort angekommen musste ich noch knapp 20 Minuten vor dem Institut warten, da man noch geschlossen hatte. Als sich die Tür öffnete trat ich gleich ein, packte aus meiner Aktentasche den Umschlag mit den Dokumenten aus, überreichte diese der Dame am Empfang und wies darauf hin, dass es eilig sei. Sie ging gleich in das zuständige Büro, gab die Unterlagen weiter. Meine Sachbearbeiterin kam nicht kurz raus um mir einen guten Morgen zu wünschen. Nein. Das soll mir aber egal sein. Sie soll Ihren Job machen. Immerhin ist sie schon seit knapp 40 Jahren im Geschäft und glänzte mit ihren Leistungen. Jedenfalls wurde mir das so berichtet. Ich rechne entweder heute mit einer Absage, oder mit einer Zusage im Laufe kommender Woche.

Gut. Die Papiere sind nun wo sie sein sollen und ich sitze mittlerweile in der Bahn in Richtung Büro. Und mein Beitrag ist auch schon fast fertig geschrieben. Klar ist, dass ich natürlich gerade noch immer sehr gereizt bin was den Umgang mit digitalen Belegen und Unterlagen betrifft. Aber jemanden auf den Schlips treten möchte ich auch nicht. Sollte dies also irgendwie so rüberkommen, sei gesagt, dass es eben nicht so gemeint ist. Mir geht es viel mehr darum, dass Unternehmen von sich behaupten „Digital“ zu sein, aber nicht wirklich verinnerlicht haben, dass „Digital“ nicht nur Marketing und Verkauf, sondern auch Kundenbetreuung, Support, Datenaustausch etc. Ihr wisst sicherlich auf was ich hinaus möchte. Banken sagen uns „Wir sind digital!“ und, so ist es bei mir, stellen einfach mal meine Konten so ein, dass ich meine Kontoauszüge herunterladen muss und nichts mehr am Drucker in einer Filiale ausdrucken kann – OHNE mir dies mitzuteilen. Das ist der ärgerliche Punkt, Stichwort: Kommunikation und Respekt vor dem Kunden. Änderungen mitteilen sollte schon noch drin sein. Ein anderes Konto liegt bei einem anderen Institut als das eben erwähnte mit der Kontoauszugs-Umstellung. Hier dreht das Institut komplett frei und transferiert meine Kundendaten einfach mal zu einer „Online Bank“, diese ein online-Bezahlverfahren ermöglicht. Hier handelt es sich zwar um eine Firma die von 40 Banken gegründet wurde, DENNOCH handelt es sich bei der PayDirket GmbH um eine eigenständige Firma. Daher wird in diesem Fall sogar gegen das Datenschutzrecht verstoßen. Denn ich wurde auch hier weder informiert noch gefragt. Wenn ihr mal die Suchmaschine bemüht, werdet ihr in verschiedenen Beiträgen über das Wort „Zwangsregistrierung“ stolpern. So sehe ich das übrigens auch. Man wird bei der PayDirekt GmbH zwangsregistriert. Ohne Worte, oder?

Mit dem Smartphone eben mal kontaktlos an der Kasse bezahlen? Das funktioniert erst seit Juli. Hier machte GooglePay den Start. Nun ziehen nach und nach die Mitbewerber mit. Und das könnte auch der Grund sein, warum GooglePay von so wenigen Banken unterstützt wird. ApplePay ist noch nicht in Sicht. Und wenn es blöd läuft, wie im Falle von GoolgePay, dann wird auch ApplePay nur von einer Hand voll Banken unterstützt werden, sollte es jemals in Deutschland ankommen. Anstatt diese Möglichkeiten zu nutzen, beginnen die Banken EIGENE Apps zum digitalen bezahlen zu ermöglichen. Aber ist das wirklich sinnvoll? Im Falle von ApplePay halte ich mein Smartphone an das NFC Lesegerät an der Kasse, bekomme auf dem Display eine Aufforderung zur Bestätigung (entweder per Fingerabdruck am Gerät oder FaceID ab iPhoneX) und das war es. Wenn ich nun anfangen muss auf dem Smartphone erst mal noch die „Bezahl-App“ zu suchen, zu starten und mich eventuell erst noch einloggen muss, kann ich auch gleich meine EC Karte auspacken, die Karte in das Gerät stecken und anschließend die Pin eingeben. Aber das ist ja ein Workflow-Problem. Kein „Möglichkeits-Problem“.

Was will ich jetzt denn eigentlich? Ich möchte in erster Linie Dampf ablassen, aber ohne „Fake News“ und ohne unfair zu werden. Ich möchte loswerden was mir alles stinkt. Das würde allerdings den Rahmen sprengen. Mir geht es hier um diese Unternehmen, wie beispielsweise diese von mir erwähnten Banken, die von sich behaupten „DIGITAL“ zu sein, aber nicht in der Lage sind Unterlagen digital zu empfangen – geschweige denn damit umgehen können.

Seit Jahren heißt es Breitbandausbau hier, Breitbandausbau da. Kontaktloses Bezahlen hier, Kontaktloses Bezahlen da. Ich habe die Wahrnehmung, dass sich wir, die Konsumenten, schneller digitalisieren, als die Unternehmen, die sich die ach so tollen Marketingsprüche und Strategien von Unternehmen die Digitalisierung leben, abschauen aber selbst nicht umsetzen möchten. Ich habe das Gefühl, dass wir in Deutschland noch sehr lange auf Bargeld (es wird ja nicht komplett verschwinden! Meine Güte…), Briefkästen, schnelle Zustellung von bedrucktem Papier bauen werden und Fahrten zu (teilweise) unnötigen Meetings in Kauf nehmen müssen.

Hinweis: Dieser Beitrag habe ich in einem sehr emotional aufgewühlten Zeitraum geschrieben. Falls sich jemand angegriffen fühlt, bitte ich um Verzeihung. Es ist keines Wegs Absicht. Die von mir geschriebenen Zeilen habe ich tatsächlich so erlebt und nehme alles genau so wahr wie geschrieben. Letzten Endes ist es eine Entwicklung die stattfindet und die in diesem Land einfach länger dauert, als vielleicht in anderen Ländern.
„First World Problems“, ihr wisst schon.
Jammern auf hohem Niveau. Thats it.

Seit 2006 reise ich als Filmemacher durch die Welt und habe stets ein Auge auf interessante und außergewöhnlichen Geschichten. So besuchte ich die PR-Abteilungen von verschiedenen Fußballbundesligisten, konnte die ein oder andere Filmpremiere als Macher erleben und durfte vor Menschen über den eigenen Weg sprechen. Ich arbeite zudem als „Spinner“ stets branchenunabhängig an neuen Dingen.

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