Über das Reisen mit der Bahn und das Netz in der Hosentasche

Reisen. Für die einen ist das etwas Besonderes. Das ist auch ganz wunderbar. Für die anderen das notwendige Elend. Ich reise beruflich sehr viel und das auch außerhalb meines Filmprojektes „The Creative Network“, welches eine Art Roadtrip-Komponente enthält. Aber mehr zum Filmprojekt gibt es ein andermal. Zurück zum Reisen. Viele meiner „Künstler-Filmemacher-whatever-Kollegen“ reisen viel mit dem Flugzeug. Meiner einer reist, wie viele andere Menschen auch, mit der Bahn.

Das Reisen an sich ist schon was Nettes. Nur ist man als „digitaler Nomade“ auf zwei Dinge angewiesen. Strom und Internet. Im Flieger war ich des öfteren schon über die Powerbank im Handgepäck recht froh. Doch so eine für den Flieger zugelassene Powerbank schafft es nicht, ein iPad Pro, während dies genutzt wird, aufzuladen oder den Akkustand stabil zu halten. Also heißt es auf längeren Flugstrecken „Gute Nacht iPad“ (oder Laptop etc…). In der Bahn hat man mit etwas Glück auch in RE’s Steckdosen. Diese sind aber rar gesät. Anders sieht es in ICE Zügen aus. Die bevorzuge ich nicht nur wegen den Steckdosen, sondern auch wegen den bequemeren Sitzen und der Geschwindigkeit. 

Ich finde Bahnfahren recht interessant. Man trifft immer auf andere Menschen. Normalerweise stecke ich keine Menschen in Schubladen, aber Bahnreisende sortiere ich mittlerweile -unterbewusster Prozess- vor. Es gibt die „Entdecker“ oder wie ich sie nenne „aus-dem-Fenster-Gucker“. Die „Spanner“, die permanent die Menschen um sich herum mustern. Dann gibt es auch die „mein-Smartphone-und-ich-für-immer-Leute“, die sich hauptsächlich mit ihrem Smartphone beschäftigen und sich irgendwann mal den Nacken halten. Ach ja, ganz wichtig sind auch die „Hab-einen-Laptop-ich-bin-wichtig-Typen“. Erklärt sich von selbst. Zuletzt gibt es noch die „Dauernörgler“, die sich an jeder Kleinigkeit stören. Ich meine keine 30 minütigen Verspätungen – nein. Sondern vielleicht 5 Minuten, oder… wenn der Speisewagen im ICE geschlossen ist, oder auch für den Nörgler zu weit entfernt ist (???). Ich selbst zähle mich übrigens zu Ersteren. Zu den „Entdeckern“ oder auch „aus-dem-Fenster-Gucker“. 

Ich war für ein paar Tage mal wieder im wunderschönen Bonn. Wie Stammleser bereits wissen, arbeite ich dort mit ganz fabelhaften Menschen zusammen. Immer wieder eine Freude sich dessen bewusst zu werden. Und die Bahnstrecke würde ich als einer der schönsten Bahnstrecken Deutschlands bezeichnen. Sie führt am wunderschönen Rhein entlang. Man fährt an der Loreley vorbei, man fährt durch Weinberge und kann die ländlichen Gegenden bewundern. Dörfer in denen es wahrscheinlich mehr Souvenir-Shops für Touristen gibt, als Einwohner. Wenn die Sonne scheint, könnte man meinen, man würde durch einen Reisekatalog blättern. Aber genug geschwärmt, sonst wird’s unglaubwürdig. Und NEIN, keine Werbung für die Bahn oder den Tourismusverband.

Auf der 6 1/2 stündigen Fahrt muss ich, wenn alles klappt, nur 2x umsteigen. Das ist für das Arbeiten im Zug (oh, bin ich ein „Hab-einen-Laptop-bin-wichtig-Typ“? Ne. Arbeite ja entweder am iPad oder am MacBook ;-))  ) gar nicht mal so übel. Aber mehr Umstiege sind auch nicht falsch. Dadurch bekommst du wenigstens ein wenig Bewegung auf so einer langen Fahrt. Sollte man mit einem ICE (oder mehreren) reisen, ist es ratsam sich einen Sitzplatz zu reservieren. Denn gelegentlich (gefühlt ständig!) sind diese überfüllt und man muss, wenn man keinen Sitzplatz hat, eben stehen und auf einen freien Sitzplatz springen sobald sich jemand von einem Sitzplatz erhebt. Das sieht manchmal so aus, als würden sich hungrige Tiger auf eine Gazelle stürzen. Daher buche ich stets eben einen Sitzplatz. Am Fenster natürlich. 

Heute sitze ich am Gang. Gegenüber von dem von mir reservierten und bezahlten Sitzplatz. Warum? Nun, es gibt doch diese „Nörgler“. Genau ein solches Exemplar hat „meinen“ Platz in beschlag genommen und sieht es überhaupt nicht ein, warum ich ausgerechnet auf diesen Sitzplatz möchte. Ich setzte mich auf den 4er nebenan und begann zu erklären, warum ein gebuchter Sitzplatz für den Fernverkehr Sinn ergibt. Dies geschah in einem ruhigen und lockeren Ton. Während meiner Erklärung packte ich das iPad Pro mit Tastatur-Case aus und stellte es auf den Tisch vor mir auf. „Ach, klären Sie es mit dem Schaffner!“ unterbrach er mich. „Ach, Sie haben den selben Sitz reserviert?“ fragte ich ihn. „Nö. Warum?“. Ich fing an zu lachen und meinte „Ach, sollte ein Mensch in Frankfurt zusteigen und Anspruch auf diesen Sitzplatz erheben, prügeln wir uns einfach um den meinen!“. Der Schaffner kam und kontrollierte die Tickets. Ich sagte nichts, denn für mich ist der Fall klar und habe ganz klare Gedanken zu dem eben geschilderten Szenario. Selbstverständlich werde ich mich keines Falls prügeln, aber ich werde auf den Platz bestehen und notfalls eben den Service-Mitarbeiter bitten sich um das Problem zu kümmern. Undankbarer Job, ich weiß. Dennoch bleibe ich dabei. #Sturkopf.

Um meinem Frust über dieses sinnlose Verhalten etwas Luft zu verschaffen, tippe ich also jetzt einen Blogbeitrag, der mal so gar keinen Mehrwert bietet. Also für euch zumindest nicht. Mir schon. Bei allem Frust gibt es aber etwas in den ICE Zügen, das mich als „digitaler Nomade“ sehr glücklich macht. Korrekt. Steckdosen die iPads, Netbooks und Co. füttern 😉

Bislang klingt alles, bis auf die Sache mit dem Sitzplatz, recht harmonisch und sehr angenehm. Es gibt aber etwas, was dich als „digitaler Nomade“ gelegentlich in den Wahnsinn treibt. Der Mobilfunk-Empfang. Heutzutage nutzen wir diesen immer weniger zum telefonieren, sondern vielmehr um im Netz unterwegs zu sein. Für Musikstreaming, YouTube, Vimeo (und wie sie alle heißen mögen…) oder beispielsweise für das Versenden von Mails oder für das uploaden neuer Blogartikel 😉 Ja, das Internet ist unterwegs ein wahrer Graus. Das WLAN der Bahn funktioniert mittlerweile recht zuverlässig. „Was labert der Typ da!?“ wird der ein oder andere denken. Nun das ist jetzt so eine Definitionssache. Das WLAN ist ein Netzwerk, welches uns wiederum mit Internet versorgt, sollte die Mobilfunkleitung etwas empfangen. Dies ist bei Strecken durch sehr ländliche Orte einfach nicht vorhanden. Das WLAN im ICE funktioniert mittlerweile tadellos, aber an der Netzabdeckung kann die Bahn auch nicht viel machen. Oder doch?

Kürzlich las ich in einem Artikel, dass die „Deutsche Bahn“ ein eigenes Glasfasernetz neben ihrer Gleise verlegen möchte. Das dürfte auch dieses einstige Luxusproblem lösen. Aber ist es nicht noch immer, trotz Digitalisierung, ein Luxusproblem? Ich würde „ja“ sagen. Denn wenn man sich mal auf das Gedankenspiel einlässt, wird es interessant. Bei tauchen Gedanken auf, wie beispielsweise dieser: Wenn wir Menschen uns an etwas gewöhnen, wie z.B. an das Internet in unserer Hosentasche, dann halten wir daran fest und nehmen es irgendwann als eine Selbstverständlichkeit wahr. Wenn unsere Reise uns in schreckenerregende, dunkle und mysteriöse Funklöcher führt und wir dann kein Spotify, kein YouTube und Co. mehr konsumieren können um unsere Langeweile zu kompensieren, dann geht für viele Menschen gefühlt die Welt unter. 

Ich frage mich manchmal wirklich ob das nur logisch oder idiotisch ist. Denn wie wichtig ist uns denn der digitale Konsum? Auch der Konsum von Technik generell? Darauf habe ich für mich selbst keine konkrete Antwort. Natürlich BRAUCHE ich nicht jedes Jahr das neuste Flagship-Smartphone, den größten TV, das Neuste vom Neusten. Aber was ist mit dem Internet? Sind wir süchtig nach Digitalisierung oder ist es vielleicht so, dass wir mitten im Wandel stecken. Ich benutze das Wort „stecken“ bewusst. Denn auf Grund der gefühlt sehr lahmen Entwicklung in Politik und auch beim Thema „Breitbandausbau“, hat man das Gefühl dass alles stagniert. Man könnte meinen, wir hätten uns festgetreten. Und durch das kürzliche „Durchwinken“ der EU Kommission des „Upload-Filters“ (der hoffentlich von VW konstruiert wird!) habe ich die Vermutung, dass es eher wieder ein paar Schritte zurück geht. Aber auf der anderen Seite gehört das zu einer Entwicklung dazu. Ein paar Schritte zurück zugehen, um schlicht und ergreifend Anlauf zu nehmen.

Seit 2006 reise ich als Filmemacher durch die Welt und habe stets ein Auge auf interessante und außergewöhnlichen Geschichten. So besuchte ich die PR-Abteilungen von verschiedenen Fußballbundesligisten, konnte die ein oder andere Filmpremiere als Macher erleben und durfte vor Menschen über den eigenen Weg sprechen. Ich arbeite zudem als „Spinner“ stets branchenunabhängig an neuen Dingen.

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